Losnummer 2500 - Auktion 150
OHNE TITEL (FUTURISTISCHE KOMPOSITION) (1916)

Voraussichtliche Aufrufzeit
12.09.2025 - 14:40 Uhr

Startpreis

12.000,00 EUR

(Mindestgebot 12.000,00 EUR)
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Beschreibung
JOHANNES MOLZAHN
1892 Duisburg - 1965 München


OHNE TITEL (FUTURISTISCHE KOMPOSITION) (1916)

Bleistift und Aquarell auf Papier. 44 x 30,5 cm, Rahmen 74 x 60,5 cm. Unten links mit Bleistift signiert und datiert. Signiert, datiert und unleserl. bezeichnet auf ehemaliger Rahmenrückseite, als Fragment auf neuer Rahmenrückseite montiert. Diese 1916 entstandene Arbeit von Johannes Molzahn ist ein seltenes und besonders frühes Beispiel seines bildkünstlerischen Ausdrucks, das bereits viele jener gestalterischen Tendenzen vorwegnimmt, die sein späteres Werk prägen sollten. In einer Komposition von bemerkenswerter Farbintensität und rhythmischer Dichte entfaltet Molzahn ein dynamisches Gefüge geometrischer Formen: Kugeln, Kreise, Halbkreise und Zylinder rotieren scheinbar in einem vielschichtigen Raum. Die Bewegung dieser Elemente wird in für den Futurismus typischer Weise malerisch umgesetzt und evoziert ein durchdrungenes, technisches Weltbild, das dennoch nicht ohne transzendente Dimension bleibt.
Das fein nuancierte Aquarell besticht durch eine leuchtende Farbpalette: satte Rot- und Blautöne dominieren, durchsetzt von fließenden Übergängen ins Gelbe und partielle Einfärbungen in Grün. Diese visuelle Lebendigkeit verweist auf Molzahns besonderes Gespür für farbrhythmische Spannungen und seine Nähe zum expressiv-abstrakten Formenvokabular seiner Zeitgenossen. Obwohl noch vor seiner Mitwirkung an der Gründung des Bauhauses entstanden, ist bereits das Streben nach gestalterischer Erneuerung und transzendenter Ordnung spürbar - eine künstlerische Haltung, die Molzahn später in seinem "Manifest des absoluten Expressionismus" formulieren wird.
Molzahn, der 1892 im rheinisch-industriell geprägten Duisburg geboren wurde, befand sich 1916 noch im Einflussfeld des Schweizer Künstlerkreises um Otto Meyer-Amden, mit dem ihn während seines Aufenthalts in der Schweiz eine enge künstlerische Verbindung verband. Seine erste Einzelausstellung organisierte 1914 der Künstler Karl Peter Röhl in Weimar - ein frühes Zeichen von Molzahns wachsender Bedeutung im Umfeld der reformorientierten Kunstszene. Die stilistische Nähe zum italienischen Futurismus und dessen Konzept einer dynamisierten Bildfläche ist in der vorliegenden Arbeit unübersehbar, doch kombiniert Molzahn diese Impulse mit einem strukturellen Aufbau, der bereits auf seine spätere Hinwendung zu einer organisch-geometrischen Bildsprache verweist.
Die hier vorgestellte Arbeit entstand in einer Phase intensiver künstlerischer Entwicklung, die durch frühe Ausstellungen bei Herwarth Walden in der Berliner Galerie "Der Sturm" begleitet wurde. Im Umfeld der progressiven Berliner Kunstszene schloss sich Molzahn wenig später der Novembergruppe an, einem Zusammenschluss von Künstlern und Architekten, die die sozialen und ästhetischen Ideale der Revolution von 1918 aktiv in die Kunst überführen wollten. Molzahns Position zwischen Abstraktion und Figuration, zwischen technischer Kühle und metaphysischer Tiefe, wird in dieser Arbeit in seltener Klarheit sichtbar. Sie dokumentiert nicht nur einen Moment persönlicher künstlerischer Suche, sondern auch eine Zeit des Aufbruchs in der deutschen Avantgarde, der sich Molzahn mit visionärer Kraft und intellektueller Präzision anschloss.
Dabei profitierte er auch von den engen Verbindungen zu Künstlern der späteren Bauhaus-Bewegung, darunter Johannes Itten, Willi Baumeister und Oskar Schlemmer, mit denen ihn eine produktive Freundschaft und ein gemeinsames Reformverständnis verband.
Das Blatt ist nicht nur kunsthistorisch hochrelevant, sondern auch aufgrund seiner Entstehungszeit ein rares Zeugnis innerhalb von Molzahns Oeuvre, das auf dem Kunstmarkt nur sehr selten auftaucht. Rest., Papier mit Bugfalte, Ecken mit Einstichlöchern. Im Passepartout montiert und hinter Glas gerahmt (ungeöffnet).

Provenienz: Nachlass Ostermann-Droste, Architekt Münster; zuletzt Rheinische Privatsammlung.
Details
Losnummer 2500
Künstler JOHANNES MOLZAHN
Folgerechtsabgabe Nein
Schätzpreis von 12000