150. JUBILÄUMSAUKTION: KUNST & ANTIQUITÄTEN | AUSGEWÄHLTE WERKE |
Erstes Los endet: 10.09.2025 - 10:00:00
Losnummer 2501 -
Auktion 150
'BADENDE KNABEN' (1920)

Auktion 150
'BADENDE KNABEN' (1920)
'BADENDE KNABEN' (1920)
Voraussichtliche Aufrufzeit
12.09.2025 - 14:41 Uhr
Startpreis
50.000,00 EUR
(Mindestgebot 50.000,00 EUR)
Beschreibung
OTTO RODEWALD
1891 Schöningen - 1960 Hamburg
'BADENDE KNABEN' (1920)
Öl auf Leinwand. 100 x 100 cm, Rahmen 111,5 x 111,5 cm. Mittig rechts signiert und datiert 'Rodewald (19)20'. Verso: Rückseitig signiert, mit Künstleradresse sowie Rückständen eines alten Klebeetiketts. Literatur:
- Heydorn, Volker Detlef, 'Alexander Friedrich. Otto Rodewald. Heinrich Stegemann', in: Berufsverband bildender Künstler Hamburgs, e.V. (Hrsg.), 'Geschichte der Hamburger Kunst', Bd. 6, Hamburg 1970, mit Abb., o.S.;
- Heydorn, Volker Detlef, 'Maler in Hamburg 1886-1945', Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, Titelbild und Farbabb. S. 96;
- 'Der Neue Rump: Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs', 2013, S. 374;
- M. Bruhns, 'Kunst in der Krise', Bd. 2, 2001, S. 331, hier jeweils mit Datierung 1919;
- 'art. Das Kunstmagazin', 05.2023, mit Farbabb., S. 155.
Das Gemälde Badende Knaben, entstanden um 1920, zählt zu den frühen Hauptwerken Otto Rodewalds und markiert eine entscheidende Phase in seinem künstlerischen Schaffen. In einer sorgfältig ausbalancierten Komposition verbindet Rodewald die Darstellung mehrerer jugendlicher Figuren mit einer von Licht und Bewegung geprägten Landschaft. Die Szene zeigt keine naturalistische Momentaufnahme, sondern eine stilisierte, nahezu zeitlose Welt, in der Körper, Wasser und Natur zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.
Rodewald wurde 1891 in Schöningen geboren, einer Kleinstadt am Rand ausgedehnter Buchenwälder. Bereits früh zeigte sich seine Affinität zur Natur und zur Zeichnung, die sich in zahlreichen Kindheitserinnerungen widerspiegelt. Die landschaftliche Prägung und eine pantheistisch anmutende Naturauffassung durchziehen sein gesamtes Werk und finden auch in Badende Knaben ihren Ausdruck.
Zeitlich vor diesem Gemälde entstanden Arbeiten - sowohl Grafiken als auch Gemälde -, in denen sich der abstrakte Symbolismus eines Franz Marc mit lyrisch gemildertem Futurismus und dekorativen Elementen verbindet. Diese Werke lassen ein märchenhaftes Moment anklingen, das sich stilistisch etwa an Marcs Botschaften an Prinz Jussuf erinnert fühlt - mit Kreissegmenten und von Linien durchzogenen Diagonalen. Auch die Farbgebung ist symbolhaft aufgeladen und wirkt, als würde sie aus einer Traumwelt hervordämmern.
Nach seiner Ausbildung an der Hamburger Landeskunstschule bei Carl Otto Czeschka - einem zentralen Vertreter des Wiener Jugendstils - entwickelte Rodewald eine klare formale Sprache, die dekorative Elemente, flächige Komposition und symbolische Bildstruktur miteinander verbindet. Diese Einflüsse sind auch in Badende Knaben präsent: Wie Fabelwesen sind die Körper der Badenden zentral in der quadratischen Bildfläche platziert. Die dynamische Modellierung der Jünglinge ist eingebettet in die sie umgebende Vegetation. Farblich dominieren vor allem Grün- und Rottöne diese expressiv-kristalline Komposition. Das kontrastreiche Gelb als Lichtquelle scheint sich in fließenden Übergängen über Wasser und Körper zu legen und akzentuiert den Sprung ins Wasser der zentralen Figur. Die zahlreichen, blasenförmig stilisierten Wasserspritzer, in denen sich das Licht bricht, unterstreichen die Dynamik des Moments.
Die Entstehung des Gemäldes fällt in die unmittelbare Nachkriegszeit. Rodewald hatte als Mitglied eines Sturmbataillons am Ersten Weltkrieg teilgenommen, wurde mehrfach schwer verwundet und litt zeitlebens an den gesundheitlichen Folgen. Die künstlerische Arbeit verstand er fortan als Form der inneren Verarbeitung und Stabilisierung. In einem Brief bezeichnete er seine Malerei als Versuch, sich "Wände aus Farbe und Form" gegen die Erfahrungen des Krieges zu errichten. Badende Knaben steht exemplarisch für diesen künstlerischen Neuanfang - es verweist auf eine Gegenwelt zur biografischen Realität und formuliert eine idealisierte Vorstellung von Unversehrtheit und Unbekümmertheit.
Ab 1921 gelang Rodewald der Eintritt in die Hamburger Kunstszene. Er beteiligte sich an Ausstellungen der Hamburgischen Sezession, fand in Gustav Pauli, dem damaligen Direktor der Kunsthalle, einen wichtigen Förderer und wurde durch dessen Vermittlung dem Bankier und Sammler Paul Michael Mendel vorgestellt. Mendel wurde nicht nur zum Käufer mehrerer Werke, sondern ermöglichte Rodewald auch eine medizinische Rehabilitation im Davoser Lungensanatorium - ein Umstand, der für seine weitere künstlerische Entwicklung von großer Bedeutung war.
Badende Knaben markiert somit einen Übergang: vom traumatisierten Kriegsteilnehmer zum suchenden Künstler, der in der Überhöhung alltäglicher Szenen neue Ausdrucksformen findet. Das Werk steht am Beginn einer künstlerischen Neuorientierung, in der sich spätimpressionistische, jugendstilhafte und frühmagisch-realistische Elemente verbinden. Es gehört zu jenen Bildern, die Rodewalds Werk zwischen symbolistischer Tradition und der Moderne der Weimarer Republik verorten.
Heute gilt Badende Knaben als eines der zentralen frühen Werke im Ouvre des Künstlers. Es dokumentiert nicht nur eine stilistische Entwicklung, sondern verweist zugleich auf die engen Verflechtungen von Biografie, Zeitgeschichte und Bildsprache in Rodewalds Schaffen. Die Komposition überzeugt durch ihre malerische Präzision, die atmosphärische Dichte und die subtile Verbindung von Form, Inhalt und Emotion. Part. vereinzelt min. rest. Rahmen; originaler Künstlerrahmen anbei.
Provenienz: Aus dem Nachlass von Charlotte Thiede, der Ehefrau des Künstlers; danach Familienbesitz; zuletzt Rheinische Privatsammlung.
1891 Schöningen - 1960 Hamburg
'BADENDE KNABEN' (1920)
Öl auf Leinwand. 100 x 100 cm, Rahmen 111,5 x 111,5 cm. Mittig rechts signiert und datiert 'Rodewald (19)20'. Verso: Rückseitig signiert, mit Künstleradresse sowie Rückständen eines alten Klebeetiketts. Literatur:
- Heydorn, Volker Detlef, 'Alexander Friedrich. Otto Rodewald. Heinrich Stegemann', in: Berufsverband bildender Künstler Hamburgs, e.V. (Hrsg.), 'Geschichte der Hamburger Kunst', Bd. 6, Hamburg 1970, mit Abb., o.S.;
- Heydorn, Volker Detlef, 'Maler in Hamburg 1886-1945', Hans Christians Verlag, Hamburg 1974, Titelbild und Farbabb. S. 96;
- 'Der Neue Rump: Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs', 2013, S. 374;
- M. Bruhns, 'Kunst in der Krise', Bd. 2, 2001, S. 331, hier jeweils mit Datierung 1919;
- 'art. Das Kunstmagazin', 05.2023, mit Farbabb., S. 155.
Das Gemälde Badende Knaben, entstanden um 1920, zählt zu den frühen Hauptwerken Otto Rodewalds und markiert eine entscheidende Phase in seinem künstlerischen Schaffen. In einer sorgfältig ausbalancierten Komposition verbindet Rodewald die Darstellung mehrerer jugendlicher Figuren mit einer von Licht und Bewegung geprägten Landschaft. Die Szene zeigt keine naturalistische Momentaufnahme, sondern eine stilisierte, nahezu zeitlose Welt, in der Körper, Wasser und Natur zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.
Rodewald wurde 1891 in Schöningen geboren, einer Kleinstadt am Rand ausgedehnter Buchenwälder. Bereits früh zeigte sich seine Affinität zur Natur und zur Zeichnung, die sich in zahlreichen Kindheitserinnerungen widerspiegelt. Die landschaftliche Prägung und eine pantheistisch anmutende Naturauffassung durchziehen sein gesamtes Werk und finden auch in Badende Knaben ihren Ausdruck.
Zeitlich vor diesem Gemälde entstanden Arbeiten - sowohl Grafiken als auch Gemälde -, in denen sich der abstrakte Symbolismus eines Franz Marc mit lyrisch gemildertem Futurismus und dekorativen Elementen verbindet. Diese Werke lassen ein märchenhaftes Moment anklingen, das sich stilistisch etwa an Marcs Botschaften an Prinz Jussuf erinnert fühlt - mit Kreissegmenten und von Linien durchzogenen Diagonalen. Auch die Farbgebung ist symbolhaft aufgeladen und wirkt, als würde sie aus einer Traumwelt hervordämmern.
Nach seiner Ausbildung an der Hamburger Landeskunstschule bei Carl Otto Czeschka - einem zentralen Vertreter des Wiener Jugendstils - entwickelte Rodewald eine klare formale Sprache, die dekorative Elemente, flächige Komposition und symbolische Bildstruktur miteinander verbindet. Diese Einflüsse sind auch in Badende Knaben präsent: Wie Fabelwesen sind die Körper der Badenden zentral in der quadratischen Bildfläche platziert. Die dynamische Modellierung der Jünglinge ist eingebettet in die sie umgebende Vegetation. Farblich dominieren vor allem Grün- und Rottöne diese expressiv-kristalline Komposition. Das kontrastreiche Gelb als Lichtquelle scheint sich in fließenden Übergängen über Wasser und Körper zu legen und akzentuiert den Sprung ins Wasser der zentralen Figur. Die zahlreichen, blasenförmig stilisierten Wasserspritzer, in denen sich das Licht bricht, unterstreichen die Dynamik des Moments.
Die Entstehung des Gemäldes fällt in die unmittelbare Nachkriegszeit. Rodewald hatte als Mitglied eines Sturmbataillons am Ersten Weltkrieg teilgenommen, wurde mehrfach schwer verwundet und litt zeitlebens an den gesundheitlichen Folgen. Die künstlerische Arbeit verstand er fortan als Form der inneren Verarbeitung und Stabilisierung. In einem Brief bezeichnete er seine Malerei als Versuch, sich "Wände aus Farbe und Form" gegen die Erfahrungen des Krieges zu errichten. Badende Knaben steht exemplarisch für diesen künstlerischen Neuanfang - es verweist auf eine Gegenwelt zur biografischen Realität und formuliert eine idealisierte Vorstellung von Unversehrtheit und Unbekümmertheit.
Ab 1921 gelang Rodewald der Eintritt in die Hamburger Kunstszene. Er beteiligte sich an Ausstellungen der Hamburgischen Sezession, fand in Gustav Pauli, dem damaligen Direktor der Kunsthalle, einen wichtigen Förderer und wurde durch dessen Vermittlung dem Bankier und Sammler Paul Michael Mendel vorgestellt. Mendel wurde nicht nur zum Käufer mehrerer Werke, sondern ermöglichte Rodewald auch eine medizinische Rehabilitation im Davoser Lungensanatorium - ein Umstand, der für seine weitere künstlerische Entwicklung von großer Bedeutung war.
Badende Knaben markiert somit einen Übergang: vom traumatisierten Kriegsteilnehmer zum suchenden Künstler, der in der Überhöhung alltäglicher Szenen neue Ausdrucksformen findet. Das Werk steht am Beginn einer künstlerischen Neuorientierung, in der sich spätimpressionistische, jugendstilhafte und frühmagisch-realistische Elemente verbinden. Es gehört zu jenen Bildern, die Rodewalds Werk zwischen symbolistischer Tradition und der Moderne der Weimarer Republik verorten.
Heute gilt Badende Knaben als eines der zentralen frühen Werke im Ouvre des Künstlers. Es dokumentiert nicht nur eine stilistische Entwicklung, sondern verweist zugleich auf die engen Verflechtungen von Biografie, Zeitgeschichte und Bildsprache in Rodewalds Schaffen. Die Komposition überzeugt durch ihre malerische Präzision, die atmosphärische Dichte und die subtile Verbindung von Form, Inhalt und Emotion. Part. vereinzelt min. rest. Rahmen; originaler Künstlerrahmen anbei.
Provenienz: Aus dem Nachlass von Charlotte Thiede, der Ehefrau des Künstlers; danach Familienbesitz; zuletzt Rheinische Privatsammlung.
Details
Losnummer | 2501 |
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Künstler | OTTO RODEWALD |
Folgerechtsabgabe | Nein |
Schätzpreis von | 50000 |