Losnummer 1850 - Auktion 155
SILBERFIGUR EINES TURNIERRITTERS ZU PFERD

Voraussichtliche Aufrufzeit
12.03.2026 - 15:15 Uhr

Startpreis

7.000,00 EUR

(Mindestgebot 7.000,00 EUR)
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Beschreibung
SILBERFIGUR EINES TURNIERRITTERS ZU PFERD

Deutsch, Hanau, Vereinigte Silberwarenfabriken Wolf & Knell, Gebrüder Glaser, ca. 1910

800er Silber, Gesicht aus Elfenbein geschnitzt, 13 farbige Cabochons. Gew. 2056 g, H. 31 cm. Punzirt mit Halbmond, Krone, Feingehaltsangabe '800', Firmensignet (V.S.H. mit Schwan).

Die vollplastisch ausgearbeitete Silberfigur zeigt einen gerüsteten Turnierritter zu Pferd im Moment gespannter Bewegung. Der Reiter trägt einen reich dekorierten Harnisch mit fein ziselierten Ornamenten; der geschlossene Helm mit Helmzier verleiht der Figur eine strenge, fast heraldische Präsenz. Das Pferd ist kraftvoll modelliert, mit sorgfältig ausgearbeitetem Zaumzeug, Satteldecke und Beschlägen. In Rüstung und Geschirr sind insgesamt 13 farbige Cabochons eingelegt, die dem Objekt einen repräsentativen, beinahe juwelenhaften Charakter verleihen. Das Gesicht des Ritters ist aus Elfenbein geschnitzt, was dem Kopf eine besondere plastische Lebendigkeit und einen deutlichen Materialkontrast zur kühlen Oberfläche des Silbers verleiht. Die Ziselierung des Silbers ist von hoher Qualität und zeugt von der handwerklichen Exzellenz der Hanauer Silberindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Stilistisch steht die Figur in engem Zusammenhang mit dem Historismus und der Neorenaissance, wie er in Hanau um 1900 besonders gepflegt wurde. Die Darstellung orientiert sich erkennbar an den idealisierten Turnierszenen aus Freydal, dem allegorischen Turnierbuch Kaiser Maximilians I., dessen Bildwelt maßgeblich von Albrecht Dürer und seinem Umkreis geprägt wurde. Wie dort verbindet sich militärische Strenge mit höfischer Pracht und symbolischer Überhöhung des Ritterideals. Die Figur entstand in den Vereinigten Silberwarenfabriken Hanau, einem Zusammenschluss führender Firmen wie Wolf & Knell und den Gebrüdern Glaser, die international für ihre repräsentativen Silberarbeiten bekannt waren. Vergleichbare Turnier- und Reiterfiguren dieser Manufakturen wurden häufig als Schaustücke, Prunkobjekte oder hochwertige Geschenke für ein wohlhabendes, historisch gebildetes Publikum gefertigt. Ein Gutachten von 2025 (Dr. Daniel Suebsman) liegt vor. Eine CITES-Bescheinigung ist vorhanden. Der Handel mit Elfenbein ist ausschließlich innerhalb der EU zulässig; ein Export in Länder wie die USA, Kanada oder das Vereinigte Königreich ist derzeit nicht möglich. Die jeweiligen Einfuhrbestimmungen sind zu beachten. Ein qualitätvolles Beispiel Hanauer Silberschmiedekunst um 1900, das kunsthandwerkliche Virtuosität, historistische Bildtradition und repräsentativen Anspruch in eindrucksvoller Weise vereint.

Expertise: Gutachten von Dr. Daniel Suebsman (2025).

Provenienz: Hessische Privatsammlung.

CITES-Bescheinigung liegt vor. Der Handel mit Elfenbein ist nur in der EU erlaubt. Export in Länder wie USA, Kanada, UK aktuell nicht möglich. Prüfen Sie die Einfuhrbestimmungen.
Details
Losnummer 1850
Künstler
Folgerechtsabgabe Nein
Schätzpreis von 7000