Losnummer 2716 - Auktion 155
HOCHBEDEUTENDES UND ÜBERAUS SELTENES MUSEALES TAFELKLAVIER 'MATTHIAS CHRISTIAN BAUMANN'

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13.03.2026 - 14:42 Uhr

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500.000,00 EUR

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Beschreibung
HOCHBEDEUTENDES UND ÜBERAUS SELTENES MUSEALES TAFELKLAVIER 'MATTHIAS CHRISTIAN BAUMANN'

Zweibrücken, wohl 1774

Nussbaum, Mahagoni, 63 Tasten aus ebonisierten Holz und Rinderknochenauflage. H. 76, B. 170 T. 62 cm. Signierung am Resonanzboden nicht mehr vorhanden. Rechteckkorpus mit abgerundeten Seiten, auf vier achteckigen, abschraubbaren
Balusterbeinen, auf Rollen, aufklappbar, Hammerklavier, rechteckige Form erinnert an einen
Tisch (Tafel). Außergewöhnliches seltenes und immensem historisches Tafelklavier aus der
Werkstatt des berühmten pfälzischen Klavierbauers Christian Baumann (1740-1818). Dieses
Instrument datiert laut dendrochronologischem Gutachten in das Jahr 1774, eine
Schlüsselperiode in der Entwicklung des Hammerklaviers. Baumanns Arbeiten sind für ihre
präzise Handwerkskunst und ihren einzigartigen Klangcharakter bekannt. Matthias Christian
Baumann war ein bedeutender deutscher Klavierbauer und Orgelbauer des 18. Jahrhunderts. Er
wurde am 29. April 1740 in Annweiler in der Pfalz geboren und starb am 19. Januar 1816 in
Zweibrücken. Baumann entstammte einer pfälzischen Orgelbauerfamilie und erlernte das
Handwerk in der väterlichen Werkstatt. Er erhielt 1766 das Bürgerrecht in Zweibrücken, wo
er später den Titel eines Pfalz-Zweibrückischen Hoforgelbauers führte und war auch in
Nürnberg tätig. Seine Arbeit konzentrierte sich auf Tafelklaviere (Hammerflügel). Baumanns
Instrumente waren bereits zu seinen Lebzeiten hoch angesehen und ihr Ruf reichte bis zur
Familie Mozart. Es ist belegt, dass Wolfgang Amadeus Mozart auf mindestens zwei seiner
Tafelklaviere spielte. In einem Brief von 1782 bat Mozart seinen Vater Leopold sogar, ein
Instrument bei Baumann in Zweibrücken zu bestellen. Die Provenienz (laut Einlieferer) des
Instruments ist ebenso faszinierend: Es wurde 1986 in Straßburg im Haus des
einflussreichen Bankiers und Freimaurers Franck erworben, wo es über lange Zeit auf dem
Speicher aufbewahrt wurde. Archivrecherchen in Straßburg belegen, dass sich Wolfgang
Amadeus Mozart während der Zeit, in der das Instrument in Francks Besitz war, bei seinem
Freund Franck in Straßburg aufhielt. Diese enge Verbindung zum persönlichen Umfeld Mozarts
in einer entscheidenden Schaffensphase verleiht diesem Instrument einen historischen Wert
und macht es zu einem potenziellen Sammlerstück für Liebhaber und Institutionen, die sich
der Geschichte Mozarts und der Tasteninstrumente des 18. Jahrhunderts widmen.
Hervorzuheben sind mehrere eindeutig identifizierende organologische Merkmale, die eine
klare Zuschreibung an Christian Baumann erlauben: Im Gegensatz zu zeitgleichen
Instrumenten besitzt dieses Hammerklavier keine Kniehebel, sondern verfügt über zwei
getrennte Handhebel zur Dämpfung, jeweils links und rechts der Klaviatur. Die Gabel der
Dämpfung ist konstruktiv zwischen den Tasten h und c¹ angeordnet, ein in dieser Form
ausschließlich bei Baumann-Instrumenten belegtes Merkmal. Ein weiteres charakteristisches
Kennzeichen stellt die eigenständige Form der Schalllochöffnung dar, die sich deutlich von
anderen süd- und mitteldeutschen Instrumentenbauern des 18. Jahrhunderts unterscheidet.
Die Mechanik folgt der süddeutschen Prellmechanik, weist jedoch ein für Baumann typisches
Konstruktionsdetail auf: zwei eingeschraubte Gewindestifte, jeweils mit einer Holzkapsel
versehen, wie in der Fachliteratur dokumentiert (vgl. Beurmann, Nr. 106). Weltweit sind
nur acht Instrumente dieses Meisters bekannt. Sieben davon befinden sich heute in
öffentlichen Sammlungen und Museen: 1775 Salzburg, 1776 Knoxville Tennese, 1775 Bernard
Brauchli, 1777 Sammlung Beurmann, 1778 um Sammlung Beurmann, 1780 Sweelink Museum
Amsterdam, 1782 in Zweibrücken, 1783 Paris Daniel Piollet Collction. Das hier angebotene
Klavier ist das einzige, das sich noch in Privatbesitz befindet. Die Authentizität wurde
durch den renommierten Experten Graham Wells (ehemals Sotheby's/Christie's) bestätigt. Das
dendrochronologische Gutachten von Dr. Micha Beuting weist die Datierung auf 1774 nach.
Zusätzlich liegt eine schriftliche Bestätigung des Nachfahren von Christian Baumann,
Pfarrer Dr. Bernhard Bonkhoff, vor. Rest., ungestimmt, aufgearbeitet, part. best., min. Anobienbefall (inaktiv).

Literatur: Vgl. Beurmann: Nr. 106 in "Das Buch vom Klavier: die Sammlung Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg", 2007, S. 40.

Expertise: Graham Wells, London, 2018 - Dendrochronologisches Gutachten Dr. Beuting, Hamburg, 2013 - Bestätigung von Pfarrer Dr. Bonkhoff, Nachfahre des Klavierbauers Christian Baumann.

Provenienz: Laut Einlieferer ehemals im Besitz der Familie des Straßburger Bankiers und Freimaurers Franck, Freund und Förderer von Wolfgang Amadeus Mozart. Seit 1986 in Privatbesitz.
Details
Losnummer 2716
Künstler
Folgerechtsabgabe Nein
Schätzpreis von 500000