Losnummer 3710 - Auktion 155
BILDNIS EINES GELEHRTEN ODER ARZTES MIT THERMOMETHER

Voraussichtliche Aufrufzeit
14.03.2026 - 16:27 Uhr

Startpreis

300,00 EUR

(Mindestgebot 300,00 EUR)
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Beschreibung
FRANZ HORNÖCK
1751 Schönau (Niederbayern) - 18.1.1822 Salzburg


BILDNIS EINES GELEHRTEN ODER ARZTES MIT THERMOMETHER

Öl auf Leinwand. 61 x 42 cm 71,5 x 52,5 cm). Links unten signiert und datiert: F. Xavier Hornöck pinxit 1809'. Altrest., gewellte und verschmutzte Oberfläche, min. besch. Rahmen.

Das Gemälde zeigt das Brustbild eines bürgerlich gekleideten Mannes mittleren Alters, der den Betrachter in ruhiger, konzentrierter Haltung ansieht. In seiner linken Hand hält er ein Thermometer, dessen sorgfältig wiedergegebene Skala unmissverständlich als bewusst gesetztes Attribut zu verstehen ist. Die zurückhaltende, dunkle Kleidung ohne repräsentative Insignien sowie der schlichte Hintergrund lenken den Blick ganz auf Physiognomie und Geste. Hornöck verzichtet auf jede Form barocker Repräsentation oder heroisierender Überhöhung. Stattdessen entsteht ein nüchternes, auf innere Haltung konzentriertes Bildnis, das den Dargestellten als Vertreter eines aufgeklärten, rationalen Weltverständnisses charakterisiert. Das Thermometer fungiert hier nicht als bloßes Berufszeichen, sondern als Sinnbild der Aufklärung: Es steht für Messbarkeit, empirische Erkenntnis und wissenschaftliche Rationalität - zentrale Leitbegriffe des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Um 1800 hatte sich das Thermometer von einer wissenschaftlichen Innovation zu einem festen Instrument medizinischer und naturwissenschaftlicher Praxis entwickelt und wurde damit zu einem Symbol des Fortschrittsglaubens. Der Dargestellte erscheint somit als Arzt, Naturforscher oder gebildeter Aufklärer, der sich nicht durch Standesabzeichen, sondern durch Wissen und methodisches Denken definiert. Die ruhige Ernsthaftigkeit des Gesichtsausdrucks unterstreicht dieses Selbstverständnis eines Menschen, der sich der Vernunft und Beobachtung verpflichtet fühlt. Stilistisch steht das Werk an der Schwelle vom Spätbarock zum Klassizismus. Die klare Komposition, die gedämpfte Farbigkeit und die psychologische Durchdringung des Porträtierten entsprechen dem Bildnisideal der Aufklärung, das Wahrhaftigkeit und Charakter über äußeren Glanz stellt. Hornöck erweist sich hier als sensibler Porträtist einer neuen bürgerlich-wissenschaftlichen Elite. Das Gemälde ist ein eindrucksvolles Zeugnis des geistigen Klimas um 1800: Es verkörpert den Übergang von einer theologisch geprägten Weltsicht zu einem von Vernunft, Wissenschaft und Erfahrung bestimmten Denken. In dieser Hinsicht ist das Bildnis nicht nur ein individuelles Porträt, sondern auch ein Programmbild der Aufklärung.

Provenienz: Rheinische Privatsammlung.
Details
Losnummer 3710
Künstler FRANZ HORNÖCK
Folgerechtsabgabe Nein
Schätzpreis von 300